Impuls zum
Gebet der Gebete
– das VATERUNSER –
Das Vaterunser ist mehr als ein Gebet –
es trägt die Formel des Glaubens, die unser Leben in der Tiefe durchdringt.

Das Vaterunser – die Formel des Glaubens
Schauen wir uns nun einmal diese Formel, unseren liturgischen Strang oder auch unsere Eckpfeiler an, die uns das Vaterunser bietet.
- Ehrfurcht und Hingabe
- Bitte
- Lobpreis
- Dank
1. Ehrfurcht und Hingabe
„Deshalb sollt ihr auf diese Weise beten:
Unser Vater, der du bist im Himmel! Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auch auf Erden.
(Matthäus 6,9-10)
Gott ist unser aller Schöpfer! Punkt.
Er ist die Kraft, die uns aufrechterhält.
Der Atem, der durch uns hindurchfließt.
Die Wahrheit, die unseren Lebensweg erleuchtet.
Er ist der Arzt, der unsere klaffenden (Seelen)Wunden heilt.
Der Versorger, der uns unser tägliches Brot bereitet.
Der Beschützer, der uns in dieser Welt überleben lässt.
Er ist das Wort, welches uns den rechten Weg leitet.
Das Licht, welches die dunkelste Finsternis in uns durchbricht.
Er ist die Liebe, die in unseren Herzen brennt
Und in diesem Bewusstsein tiefster Ehrfurcht und Demut und unserer vollkommenen Hingabe zu Gott sollten wir in unsere Gebete einstimmen.
„Geheiligt werde dein Name.“
„[Nicht mein Wille, sondern] Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.“
(Matthäus 6,9-10)
Ehrfurcht und Hingabe
Unsere Ehrfurcht vor Gott und unsere Hingabe zu Ihm,
sind die Schlüssel zu seinem Herzen.
Wir sollten uns stets vor Augen führen, was Gott bereits für große Wunder in dieser Welt und in unserem Leben vollbracht hat.
Schauen wir einmal genau hin und spüren wir tief in uns hinein, dann werden wir die wahre Größe Gottes erkennen.
Diese Erkenntnis, ist der Schlüssel zu Seinem Frieden.
Diese tiefe Erkenntnis legt sich um uns wie Seine schützenden Arme.
Diese erlösende und befreiende Erkenntnis lässt uns eintauchen in die Stille vor Gott und öffnet unser Herz für ihn.
Ehrfurcht und Hingabe sind die erste und wichtigste Konstante unserer Formel, die Einleitung in unsere Geschichte, der erste Eckpfeiler auf unserem Fundament.
Der zweite Aspekt in unserem „Leitgebet“ ist die Bitte.
2. Bitte
Durch das Vaterunser ziehen sich eine ganze Reihe von Bitten.
Zum einen Bitten, die Gottes Herrlichkeit ansprechen:
- Dein Reich komme!
- Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden.
(Lukas 11,2)
und zum anderen Bitten, die unser Leben im Glauben betreffen:
- Gib uns täglich unser nötiges Brot!
- Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist!
- Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!
(Lukas 11,3-4)
Und diese Punkte sollten sich in all unseren Gebeten widerspiegeln.
Wenn wir zu Gott kommen, gebührt es sich nicht ausschließlich Dinge des eigenen Bedarfs einzufordern. Wie schnell sind wir versucht, unsere selbstsüchtigen Wünsche in die Gebetsschale zu legen – und am Ende wundern wir uns, wenn nichts passiert.
Gott ist nicht der Geist aus Aladins Wunderlampe! Einmal kurz rubbeln und *ping* – schon steht das Wunder vor der Tür.
Dass Er unsere Bitten erhört, heißt nicht unweigerlich, dass wir Gott nur mal eben kurz „streicheln“ müssen und dann erfüllt Er uns jeden Wunsch. Gott bewahre. Gott weiß ganz genau, was wir für unser Leben, für unsere Berufung, für unser Seelenheil wirklich brauchen – und vor allem wann. Er erfüllt selten Bitten sofort, denn, alles hat Seine vorbestimmte Zeit.
Im Reich Gottes geht es um mehr als nur Essen und Trinken – das hat uns Jesus bereits in seiner Bergpredigt nahegelegt.
Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? oder:
Was werden wir trinken?, oder: Womit werden wir uns kleiden?
Denn nach allen diesen Dingen trachten die Heiden,
aber euer himmlischer Vater weiß, dass ihr das alles benötigt.
Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit,
so wird euch dies alles hinzugefügt werden!
(Matthäus 6,31-33)
In unserer Beziehung zu Gott geht es um mehr als nur um alltägliche oder luxuriöse Dinge, um in der Welt groß rauszukommen oder darum, einfach nur irgendwie unbehelligt hindurchzugleiten.
In Gottes Reich geht es um Seine Größe und Herrlichkeit, um die Ganzheit der Schöpfung, die Einheit der Gemeinschaft, die Gnade der Barmherzigkeit und die Macht der Liebe. Unser Leben sollte ein Spiegel Seiner Güte, Seiner Gnade und vor allem Seiner Liebe sein. In unserem Leben mit Gott geht es um die Nachfolge Jesu, um die Verkündigung der frohen Botschaft und um das Leben Seines Wortes.
Gott weiß genau, was wir zum täglichen Leben brauchen – darauf brauchen wir uns wahrlich nicht konzentrieren. Wir sind berufen uns ganz auf Ihn, auf Sein Reich und auf Jesus Christus, unseren Herrn, zu fokussieren.
Was wollt ihr, dass ich euch tun soll?
(Matthäus 20,32b)
Was brauche ich, um ein Leben im Glauben führen zu können?
Wo sind meine Schwachstellen im Miteinander?
In welchen Bereichen sehne ich mich nach Zuspruch, Kraft und Stärke?
Welche Wunden gilt es zu versorgen?
Welche Blindheit, Taubheit, Stummheit gilt es zu heilen?
Welche Talente gilt es zu fördern?
Welche Herausforderungen gilt es zu bewältigen?
Was ist wirklich wichtig im Reich Gottes?
Das sind die Fragen, die uns durch unser Gebet mit Gott führen sollten. Das sind die vielen Variablen in unserer Gebetsformel, das sind die kleinen Verzweigungen und Nebenrollen in unserer Geschichte, das sind die Steine, die wir zwischen unsere Eckpfeiler bauen.
Die Fürbitte
Ein weiterer wichtiger Punkt im Bereich der BITTE ist die Fürbitte. Schon Jakobus legt uns die große Bedeutung der Fürbitte ans Herz.
Bekennt einander die Übertretungen und betet füreinander,
damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel,
wenn es ernstlich ist.
(Jakobus 5,16)
In Gott zu leben, bedeutet in Gemeinschaft mit Ihm und mit Seiner Schöpfung zu leben. Jesus möchte EINS sein – eins mit Gott und eins mit uns.
Wir sind der Leib Christi – EINS in ihm – und deshalb sollten wir immer einen Schritt von uns wegtreten, den Blick von unserem eigenen kleinen Ego abwenden, hinausschauen in Gottes Reich und hinüber zu unseren Mitmenschen.
Trachtet vielmehr zuerst nach dem Reich Gottes
und nach seiner Gerechtigkeit,
(Matthäus 6,33a)
Nicht wir sind wichtig, sondern Gott und Sein Reich und dazu gehören auch alle anderen Kinder Gottes.
Wir werden durch Sein Wort immer wieder aufgefordert nicht nur für uns zu beten, sondern auch für unsere Mitmenschen.
Betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffne für das Wort,
um das Geheimnis des Christus auszusprechen,
(Kolosser 4,3a)
Brüder und Schwestern, betet auch für uns.
(1. Thessalonicher 5,25)
Die Feindesbitte – die schwerste Form der Fürbitte
Die höchste und zugleich herausforderndste Form der Fürbitte ist das Gebet für unsere Feinde. Für all jene, die uns nicht wohlgesonnen sind, die uns verletzt, belogen oder betrogen haben. Jesus macht uns deutlich: Nachfolge bedeutet auch, für diese Menschen zu beten.
Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, segnet, die euch fluchen,
tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die,
welche euch beleidigen und verfolgen,
(Matthäus 5,44)
Bitten wir Gott in unseren Gebeten stets um Seinen Segen und Schutz für all die Menschen, die Er uns ans Herz legt – für die Guten und die weniger Guten.
Bitten wir Ihn, uns zu zeigen, wie WIR selbst diesen Menschen dienen können.
Bitten wir Gott, dass Er den Menschen um uns herum – ob Christen oder Nichtchristen – die Herzen öffnet, damit auch sie Ihn als den wahren und einzigen Gott erkennen können.
Betet zugleich auch für uns, damit Gott uns eine Tür öffne für das Wort,
um das Geheimnis des Christus auszusprechen,
(Kolosser 4,3a)
AMEN
Die letzten zwei Punkte schauen wir uns im letzten Teil unseres Impulses an.
