Impuls zum
Pfingstfest
Teil 2
Dem Geist zu folgen heißt, aufmerksam zu werden für den, der uns bewegt.
Manchmal ist es nur ein Hauch – und doch verändert er alles.
Es soll nicht durch Heer oder Kraft,
sondern durch meinen Geist geschehen,
spricht der Herr Zebaoth.
(Sacharja 4,6)

Dem Geist auf der Spur
Wer oder was ist der Heilige Geist eigentlich?
Was kann er? Was macht er? Und wie erkenne ich ihn?
Wird er mich mögen, trotz all meiner Fehler? Bin ich überhaupt bereit ihn zu empfangen? Wird Gott ihn auch mir zur Seite stellen?
Der Heiligen Geist ist heute in aller Munde, aber wer bist du eigentlich?
Die passenden Worte zu finden, um den Heiligen Geist zu beschreiben, ist nicht leicht. Wie will man etwas erklären, was man nicht wirklich greifen kann? Wie die richtigen Worte finden, für etwas, was man nicht in Worte fassen kann – zumindest nicht in menschliche?
Und ich habe mich gefragt: Warum?
Warum fällt es so schwer dieses Zeugnis des Heiligen Geistes in Worte zu fassen?
Kurz: Der Heilige Geist ist aus Gott. Und Gott ist nicht die Welt! Gott ist mit nichts Weltlichem zu erklären. Gott ist Gott!
Lang: Wir können den Geist Gottes mit unserem menschlichen Verstand nicht wirklich begreifen. Wir können Ihn nicht sehen oder ihm mit menschlichen Worten Gestalt geben – genauso wenig, wie wir Gott wirklich begreifen und verstehen können. Wir können „nur“ glauben. Und doch ist da noch mehr:
So wie Gott einmal zu Jesaja sagte:
Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken,
und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR;
sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege
als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.
(Jesaja 55,8-9)
Mit unserem menschlichen Verstand können wir Gott niemals erfassen. Wir können Ihm nur unser Vertrauen schenken und uns Ihm vollkommen hingeben.
Es ist ein Spüren und Erleben, ein Glauben und Vertrauen. So wie wir an Gott glauben und Ihm vertrauen, können wir auch an den Heiligen Geist glauben und ihm vertrauen – denn sie sind eins.
Die enorme Bedeutung und Wichtigkeit des Heiligen Geistes in Gottes Werk erkennen wir bereits daran, dass dieser Geist in den ersten Schritten der Schöpfungsgeschichte eine tragende Rolle spielt.
In 1. Mose 1,2 heißt es
„Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe;
und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser.“
(1. Mose 1,2)
Der Heilige Geist ist: der Geist GOTTES – sein Wesen, Sein Sein (kleines Wortspiel). Der Heilige Geist ist somit Gott und doch Geist und doch ganz Gott.
Bereits mit Beginn der Schöpfungsgeschichte wird uns die besondere Bedeutung des Heiligen Geistes geoffenbart. Im Anfang allen Seins ist der Geist Gottes in allem verwoben.
Die (Drei)Einigkeit aus Gott, Geist und Wort ist der Schöpfer dieser wundervollen und einzigartigen Schönheit, in der wir leben.
Es ist der Geist über dem Wasser, der Neues schafft – in der Welt und in uns. Es ist ein Geist des Lebens, der Bewegung, des Flusses.
Der Geist über dem Wasser. Der Geist über all dem Tohuwabohu auf der Welt.
Aber nicht nur in der Schöpfungsgeschichte begegnet Er uns auf diese bedeutungsvolle Art und Weise – als Ursprung des Lebens.
Der Geist Gottes ist seit Urzeiten allgegenwärtig.
Er ist in Gott und aus Gott. Er ist der Geist unseres lebendigen Gottes. Er ist in allem, was Gott ist. Er ist ganz Wort, ganz Weisheit und ganz Leben. Er ist vollkommener Glaube, Zuversicht und reine Liebe. Er ist unbändige Kraft, Macht und Gewalt. Er ist Fülle und Erfüllung und Er ist Leben. Er ist unser Leben – unser Leben in Gott. Er ist Gott in uns.
Wir können ihn nicht sehen und nicht anfassen. Doch wir können Ihn spüren und, wenn wir still werden vor Gott, auch hören.
Ein Leben im Heiligen Geist zu führen ist nichts, was wir mit wissenschaftlichen Thesen erklären oder uns antrainieren könnten. Es ist etwas, worauf wir uns einlassen müssen.
Doch wir sollten immer bedenken: Der Geist Gottes ist nicht von dieser Welt. Er ist frei. Wir können Ihn nicht festhalten oder ihm unseren Willen aufzwingen. Wir können auch nicht bestimmen, wie Er unser Leben zu führen hat. Im Gegenteil: Wir sind gerufen, uns Ihm hinzugeben und Ihm das Zepter unseres Lebens zu übergeben.
Zwei Gedankenimpulse möchte ich uns zum Heiligen Geist noch mitgeben.
1. Das hebräische Wort „Ruach“, welches im Urtext für den Heiligen Geist Verwendung findet, bedeutet im Deutschen auch „Atem“. Der Heilige Geist ist quasi der Atem Gottes. Er ist die Energie und Lebenskraft Gottes. Es ist die Kraft Gottes, die Er uns einhaucht.
Aber es ist keine weltliche, menschliche Kraft, die sich in Macht und Gewalt widerspiegelt. Es ist eine göttliche Kraft, die aus dem tiefsten Seines Herzens entspringt und durch eine bedingungslose Liebe gespeist wird.
Es soll nicht durch Heer oder Kraft,
sondern durch meinen Geist geschehen,
spricht der Herr Zebaoth.
(Sacharja 4,6)
Es ist die Kraft des wahren Lebens- es ist unser erster Atemhauch.
In allem Anfang durchströmt uns Gott.
Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde
und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase.
Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.
(1. Mose 2,7)
In Hesekiel 37 können wir in diesem Zusammenhang eine wunderbare Erzählung lesen. Besonders Vers 14 zeigt in unterschiedlichen Übersetzungen auf, dass der Odem – der Atem Gottes – ebenso Sein Geist ist.
Und ich will meinen Odem in euch geben, dass ihr wieder leben sollt,
und will euch in euer Land setzen, und ihr
sollt erfahren, dass ich der HERR bin.
Ich rede es und tue es auch, spricht der HERR.
(Hesekiel 37,14) Luther 2017
Und ich werde meinen Geist in euch legen, und ihr sollt leben;
und ich werde euch wieder in euer Land bringen; und ihr werdet erkennen,
dass ich der HERR bin. Ich habe es gesagt und werde es auch tun!,
spricht der HERR.
(Hesekiel 37,14) Schlachter 2000
Gottes Geist ist der Atem Gottes.
Und wenn wir Gottes Liebe zu uns erkennen, Jesus als unseren Herrn annehmen und an Sein Erlösungswerk glauben, haucht Gott uns diesen Seinen Atem – Seinen heiligen Geist – ein, und wir werden, so wie die toten Gebeine bei Hesekiel, zu neuem Leben erwachen. Gottes Geist ist Leben – unser Leben in Gott.
Als kleines i-Tüpfelchen am Rande sei noch erwähnt, dass „Ruach“ ein weibliches Wort ist.
2.) Als Zweites möchte ich uns die Unterhaltung zwischen Nikodemus und Jesus ans Herz legen. Als ich Gott einmal die Frage stellte, „Wer bist du, Heiliger Geist?“ traf mich die Antwort wie ein Schlag ins Gesicht. Jesus selber hat uns die Antwort darauf gegeben.
Als Er mit Nikodemus über die Wiedergeburt im Geist spricht, lesen wir:
Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.
Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden.
Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht,
woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.
(Johannes 3,6-8)
Jesus gebraucht den Wind als Symbol für den Geist Gottes.
Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl;
aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt.
So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.
(Johannes 3,8)
Auch im Alten Testament, wenn wir zu Elia schauen, wird uns der Vergleich mit dem Wind vor Augen gestellt.
Als Gott sich Elia in der Höhle offenbaren will, ist Er weder im Erdbeben, was alles um ihn herum erschüttert, noch im tosenden Sturm, der alles um ihn herum mit sich reißt. Er ist das leise Säuseln, welches wie ein zarter Windhauch sanft an ihm vorüberzieht.
Der Geist Gottes ist:
Mal sanft und leise, wie bei Elia und dann wieder tosend und stürmisch, wie bei den Jüngern in Jerusalem.
Mal sanft und leise, wie die Taube die auf Jesus herabkam und dann wieder tosend und stürmisch, wie auf dem See Genezareth.
So ist der Heilige Geist.
Er ist der Wind Gottes – frei, unbändig und unabhängig von der Welt.
Er ist die Antwort Gottes auf unser Handeln, Denken und Reden.
Er ist die Hand Gottes, die auf der Erde eingreift.
Er ist die Stimme Gottes, die mal laut in unseren Ohren dröhnt oder ganz leise zu unseren Herzen spricht.
Er ist der Atem Gottes, der uns belebt und neues Leben schafft.
Wir können den Heiligen Geist nicht sehen, Er lässt sich mit nichts Menschlichem vergleichen. Wir können Ihn nicht ergreifen oder beherrschen.
Wir können den Heiligen Geist nicht wirklich beschreiben. Wie auch, denn Er ist Gott und Gott ist weit höher als unser menschlicher Verstand es je zu begreifen vermag.
Der Heilige Geist ist ganz Gott und ganz Geist.
Wir können ihn nicht käuflich erwerben. Wir können Ihn nur empfangen.
Wir können Ihn nicht mit unseren Worten sichtbar werden lassen. Er kann nur durch Sein Wirken in uns und durch uns Gestalt annehmen.
Wir können Ihn nicht sehen, aber Er kann durch uns sichtbar, erlebbar und spürbar werden.
Der Heilige Geist ist die unsichtbare Kraft Gottes, die in uns und auf der ganzen Welt wirkt. Er kann nur selber Zeugnis Seiner selbst sein.
Wenn sich der Glaube an Gott in unseren Herzen Bahn gebrochen hat, kann der Heilige Geist Einzug halten in unseren Herzen und uns mit der ganzen Kraft Gottes förmlich in unser neues Leben katapultieren. Ein neuer Wind weht dann in unserem Leben.
Man kann es ein bisschen wie mit der Natur vergleichen. Hier ist es oft so, dass ein starker Wind einen Wetterwechsel ankündigt. Es ist, als ob der Wind versucht, das Alte hinfort zuwehen, um Platz zu schaffen, für das Neue. Und dieser Wind ist oft stark und kräftig –ein Tosen, ein Orkan. Es sind Gewalten, die durch die Natur hindurchjagen – so, wie auch bei unseren Jüngern in Jerusalem, als der Geist Gottes, wie ein tosender Sturm, auf sie herniederkam.

