Impuls zum
Ostermontag
2. Teil

Der zweite Teil unseres Osterimpulses führt uns dorthin, wo unser Herz zu brennen beginnt –
lange bevor wir erkennen, wer wirklich an unserer Seite geht.

Und sie sprachen zueinander:
Brannte nicht unser Herz in uns,
als er mit uns redete auf dem Weg,
und als er uns die Schriften öffnete?

(Lukas 24,32) SCH2000

Unerkannt erkannt!

Am Ostermontag erinnern wir uns an die berühmte Begebenheit mit den Jüngern aus Emmaus – die einen nennen sie „den Emmausweg“, für die anderen ist es „der Osterspaziergang“.

Lesen wir einmal die Verse 13-35 aus dem 24. Kapitel des Lukasevangeliums. 1 (Lukasevangelium, Kapitel 24, 13-35)

In Lukas 24, 13-35 lesen wir von zwei Jüngern, die gerade von Jerusalem nach Emmaus unterwegs sind. Sie unterhalten sich vermutlich über all die Begebenheiten der letzten Tage – vielleicht auch fragend, wie es nun weitergehen soll.

Viele von uns werden sich gut vorstellen können, wie es in Menschen aussieht, die ihre Bezugsperson, einen lieben Menschen oder einen nahen Angehörigen, verloren haben. Einige haben das bereits am eigenen Leib erfahren. So auch die Jünger damals.

Jesus war einer von ihnen, ein Mann aus dem Volk. Und doch war Jesus nicht nur einer von ihnen.
Jesus war und ist der Messias, unser Retter. Er ist von Gott gegeben. Wie dunkel und tief muss das Loch gewesen sein, in das die Jünger und Anhänger damals gefallen sind?

Trauer und Verzweiflung, Ratlosigkeit und Angst, Mutlosigkeit und Zweifel. Aus einem standhaften Felsen wird schnell ein wankender Grashalm – aus einem Petrus wird ein Thomas.

Auf ihrem Weg nach Emmaus begegnen diese zwei Jünger einem Mann. Alleine unterwegs zu sein war damals nicht ungefährlich. Außerdem können Fußmärsche anstrengend und einsam sein; da schließt man sich gerne netter Gesellschaft an, die zudem Schutz und Sicherheit bietet.

Aber ein wildfremder Mann, alleine unterwegs? Nicht unbedingt vertrauenserweckend. Einen Fremden einfach so in seine Mitte aufzunehmen, das kann gefährlich werden.

Im Lukasevangelium steht zwar „Ihre Augen aber wurden gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten.“ (Lukas 24,16), dennoch glaube ich, dass sie Ihn irgendwie doch erkannten. Unerkannt – erkannt!

Sie spürten Ihn, tief in ihrem Herzen.
Deswegen nehmen sie ihn in ihre Weggemeinschaft auf. Sie gehen gemeinsam weiter und unterhalten sich angeregt über die Geschehnisse der letzten Tage. Sie sind offen und erzählen Jesus frei heraus, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Würden wir so offen mit einem Menschen reden, der uns völlig fremd ist? Muss da nicht schon etwas Vertrautes zwischen ihnen gewesen sein?
Ich glaube, sie spürten diese Vertrautheit in Seiner Gegenwart, auch wenn sie dieses Gefühl noch nicht einordnen konnten. Sie spürten diesen ganz besonderen Frieden.

Auch wir können diese Besonderheit in einem Menschen spüren. Auch wir können Jesus in unserem Gegenüber erkennen – selbst wenn wir Ihn nicht erkennen.

Und so gilt dieses Wort nur allzu oft auch uns

„Unsere Augen aber werden gehalten, sodass wir Ihn nicht erkennen.“

Auch unsere Augen sind oftmals blind für das Offensichtliche. Wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dieser letzte Funke Zweifel, weil wir es nicht live erlebt haben, weil wir nicht in Jerusalem und am Grab gewesen sind, weil wir unsere Finger nicht in Seine Wunden gelegt haben.

Wir wissen genau, dass die Tür zu Gottes Reich geöffnet ist – und dennoch hängen wir ein geistiges Schild davor. „Geschlossen“

Warum?
Weil wir uns nicht trauen hindurchzugehen – aus Angst vor dem, was uns „dort drüben“ erwartet?
Weil wir lieber den einfachen, bekannten Weg wählen und den Menschen um uns herum folgen – aus Angst plötzlich alleine zu sein?
Weil wir uns lieber den Maßstäben der Welt anpassen – aus Angst ausgelacht, verspottet oder gar beleidigt zu werden?
Warum trauen wir uns nicht, Gottes Türklinke herunterzudrücken?
Weil wir uns lächerlich machen könnten, wenn die Tür doch verschossen wäre?
Oder weil wir damit ein offenes Statement gegen die Menschenmenge setzen würden?

„Vertraut ihr mir so wenig?“ fragte Jesus einst Seine Jünger – und heute auch uns. „Vertraut ihr mir so wenig?“

Und wenn noch so viele „Geschlossen“-Schilder an dieser Tür hängen.

SIE IST OFFEN.

Und Jesus steht davor und lässt dich – ja genau DICH – in diesem Moment hindurch!

Erneut, auch nach all den Jahren des Wirkens, nach den Tagen des Leidens und nach der erlösenden Auferstehung, öffnet Jesus zwei Männern – zwei von Angst Trauer und Zweifeln erfüllten Menschen – die Augen.

Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß,
nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen.
Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn.
(Lukas 24,30-31a)

Doch nicht plump, indem er sagt, er sei der Sohn Gottes. Jesus wirkt – im Stillen, im Einfachen.

Er dankt Gott, Er bricht (erneut) das Brot – und „heilt“ sie von ihrer Blindheit.

Das Erlösungswerk Gottes hat nicht am Abendmahlstisch, nicht im leeren Grab und auch nicht mit der Auferstehung sein Ende gefunden, sondern einen NEUEN Anfang.

Auch Jahrtausende nach Seiner Auferstehung, reißt Jesus diese „Geschlossen“-Schilder von unseren geistigen Augen.
Auch Jahrtausende nach Seiner Auferstehung, hält Er die Tür zum Herzen Gottes offen.
Auch Jahrtausende nach Seiner Auferstehung, ist Er leibhaftig an unserer Seite und geht mit uns Gottes Weg.

ER hat für uns Vergebung und Gnade vor Gott erwirkt und diese Tür, die so lange verschlossen schien, wieder geöffnet.

Die Gnade Gottes zu empfangen, ist nicht schwer. Wir brauchen dafür nichts tun. Denn ER hat schon alles getan. Wir brauchen einfach nur glauben! ER geht mit uns durch diese Tür – in ein neues und erfüllendes Leben hinein.

Die Jünger spürten Ihn vom ersten Moment an, aber sie zweifelten noch.

„Brannte nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete auf dem Weg,
und als er uns die Schriften öffnete?“
(Lukas 24,32)

Zweifeln wir auch? Oder spüren wir Ihn?
Spüren wir Seine Gegenwart, Sein Wort, Sein Leben – tief in uns und um uns herum?

Jesus lebt!

Er ist da.
Er war schon da, bevor alles geschaffen wurde und Er wird immer in all dem sein, was uns umgibt. Er ist das alles.
Er ist die Schöpfung, Er ist das Wort, Er ist die Wahrheit – und nur ER ist der Weg. Der einzig wahre Weg. Der Weg in Gottes Herrlichkeit, der Weg ins Leben.
ER IST das Leben!

Amen


  1. Die Emmausjünger

    13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus.
    14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.
    15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.
    16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.
    17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.
    18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?
    19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;
    20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
    21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.
    22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
    23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.
    24 Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.
    25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!
    26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?
    27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.
    28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.
    29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.
    30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen.
    31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.
    32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?
    33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;
    34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.
    35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach. ↩︎
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