Impuls zum Sonntag
Miserikordias Domini
Teil 2
Im zweiten Teil unseres Impulses hören wir Gottes Ruf –
mitten hinein in unseren Alltag. Die Frage ist: Was machen wir daraus?
Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie,
und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
(Johannes 10, 11a.27-28a)

Wenn Gott ruft
Es gibt den Begriff Beruf und den Begriff Berufung.
Ein Beruf ernährt uns – eine Berufung bewegt uns.
Einen Beruf üben wir aus, weil ich von etwas leben müssen. Schön, wenn uns die Arbeit auch Freude bereitet und wir darin aufgehen können. Jede Aufgabe – auch die Kleinste – hat ihren Platz im Kreislauf des Lebens und in Gottes Schöpfung.
Aber ein Beruf ist nicht gleichzusetzen mit der Berufung Gottes.
Eine Berufung ist der Ruf Gottes in unser Leben hinein. Eine Aufgabe, die Gott für uns vorgesehen hat – oft verborgen, manchmal überraschend, aber immer zielgerichtet. Für unsere wahre Berufung müssen wir verstehen: Nicht wir wählen sie aus. Gott weiß, welches Potenzial Er in uns gelegt hat, und Er führt uns auf diesen Weg. Diese Berufung kann Christen wie Nichtchristen erfassen – auch wenn letztere sie nicht sofort als Gottes Ruf erkennen.
Kennzeichen der wahren Berufung sind: Leidenschaft, Herzblut und ein „Brennen“, Dankbarkeit, Freude und Bereitschaft. Eine Berufung fordert uns, erfüllt uns und prägt unser Leben.
Doch wir können uns auch irren. Wenn unsere vermeintliche Berufung uns langweilt, wenn wir sie widerwillig tun, wenn sie keine Frucht bringt oder wir nur noch des Geldes wegen weitermachen, sollten wir uns fragen, ob es wirklich Gottes Ruf war – oder unser eigener Wunsch. Vielleicht war es nur ein Beruf, für den wir anfangs Feuer und Flamme waren.
Der wahre Hirte auf Erden
Der wahre Hirte vor Gott nimmt die ihm übertragenen Aufgaben nicht nur als Beruf an, sondern als Berufung. Es ist ein Dienst mit Leib und Seele – das macht den Unterschied.
Dabei ist es nicht entscheidend, welchen Beruf wir haben. Gottes Berufung kann mitten in unseren weltlichen Alltag hineinsprechen.
Es steht nirgends geschrieben, dass wir nach unserer Hinwendung zu Jesus alles aufgeben und eine geistliche Laufbahn einschlagen müssen. Wir leben nicht in einer geistlichen Blase, sondern mitten in der Welt.
Menschenfischer, Priester am Arbeitsplatz, Hirten des Alltags
Unsere oberste Berufung ist es, Jesu zu folgen, Ihn zu repräsentieren, Ihn zu verkünden und den Menschen zu dienen – dort, wo wir sind.
Wer ist näher an den suchenden und heimatlosen Seelen, als die Menschen mitten im Alltag – der Frisör, die Kassiererin, der Klempner oder der Bauer?
Gott finden, wo er nicht gesucht wird.
Ob in der Produktion, der Backstube, dem Café oder im Haushalt: Berufung ist nicht die Tätigkeit die wir ausüben, sondern die Hingabe an Gottes Ruf.
Petrus beschreibt diese Hingabe sehr eindrücklich. In seinen Worten spürt man die pure Leidenschaft und Liebe zu Gott die ihn erfüllt und trägt, befähigt und bewegt.
Die Berufung Gottes soll freiwillig geschehen, mit ganzem Herzblut, nicht gezwungen, nicht auf den Gewinn ausgerichtet, sondern aus Liebe zu Gott.
Und diese Hingabe klingt auch in Jesu Worten wider:
Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie,
und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
(Johannes 10, 11a.27-28a)
Die anvertrauten „Schäflein“ sollen liebevoll angenommen und geführt werden. Ein wahrer Hirte begegnet ihnen wie Geschwistern – freundlich, ermutigend, klar, aber niemals herablassend. Fördernd und mitfühlend, nicht fordernd und zerstörend.
Und der Hirte aus Leidenschaft haut nicht ab, wenn die Luft dicker wird. ER bleibt. Er schützt. Er trägt. Wie Jesus es sagt: „Der wahre Hirte gibt sein Leben für seine Schafe.“
Der gute Hirte erkennt die Bedeutung der Berufung Gottes und gibt sich ihr hin – nicht nur innerhalb heiliger Kirchenmauern, sondern draußen in der Welt, überall, wo er steht und geht.
Die letzten werden die ersten sein
Schon im Alten Testament wird die Bedeutung eines wahren Hirten sichtbar. Von Abel über Jakob, Joseph, Mose, David bis hin zu Jesus und auch Petrus – sie alle waren Hirten Seiner Herde.
Mose
Mose hütete die Schafe seines Schwiegervaters bevor Gott in berief, sein Volk zu führen. Er hielt sich für unfähig und unbedeutend – doch Gott nicht. Vierzig Jahre hütete er die Herde seines Schwiegervaters, vierzig Jahre die Herde Gottes. Sein Hirtenleben lehrte ihn Geduld, Sanftmut, Achtsamkeit und Mut.
David
David, der unbeachtete Hirtenjunge, der sein Leben für seine Tiere riskierte. Er wuchs durch Gottes Hilfe in seine Berufung hinein und wurde zu einem wahrhaft großen König.
Diese Beispiele zeigen: Ein wahrer Hirte lebt aus Vertrauen, Hingabe, Leidenschaft, Geduld, Sanftmut und Liebe.
Der Dienst Gottes ist keine kleine Aufgabe, es ist eine große Herausforderung mit besonderer Verantwortung. Diesen Dienst geht man nicht leichtsinnig ein. Gott prüft die Herzen derer, die Er beruft.
Bevor Jesus Petrus in seinen Dienst als Hirten „beruft“ fragt er ihn dreimal:
„Liebst du mich?“
Liebst du mich so sehr, dass ich dir die Kinder Gottes anvertrauen kann?
Brennt dein Herz so für mich, dass ich dir dieses kostbare Gut übergeben kann?
Ist die Liebe zu Gott so stark in dir, dass nicht mehr du, sondern ich in dir lebe?
Dann hüte und weide die Schafe Gottes.
Petrus antwortet zwar nicht mit vollkommener Liebe, aber dafür mit aufrichtiger und ehrlicher Liebe. Eine Liebe, die ihre Schwachheit kennt und Gottes Stärke vertraut. Eine Liebe, die wachsen kann.
Petrus ist nicht perfekt, aber Jesus vertraut ihm – und so wächst er in seine Berufung hinein.
Gottes Frage an uns
Auch uns stellt Gott diese Frage:
„Liebst du mich?“
Wenn unser Herz brennt und wir seinem Ruf folgen, wird Gott uns ausrüsten mit allem, was wir für unsere Berufung brauchen.
Nicht jeder wird Hirte einer Gemeinde. Jeder hat seine eigene Bestimmung, für die Gott das Feuer der Hingabe entzündet. Ob hauptamtlich, ehrenamtlich oder aus Freude – jede Aufgabe zählt, wenn sie mit Liebe erfüllt wird.
Vielleicht ist es ein langer Weg, die eigene Berufung zu erkennen. Doch mit einem guten Hirten an unserer Seite, kann jeder seine Berufung in Christus erkennen und leben.
Ihr Leute:
Jesus sagt:
Ich bin der gute Hirte.
Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie,
und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.
(Johannes 10, 11a.27-28a)
Hören wir auf die Stimme des guten Hirten und folgen wir denen, die wirklich im Geiste führen – denn bei ihnen finden wir Gott.
Und ihr Hirten:
Bedenkt, was Gott euch anvertraut hat – das kostbarste Gut Seines Reiches.
Hört auf die Worte des Petrus:
Hütet die Herde Gottes bei euch mit Hingabe und Leidenschaft … „Dann werdet ihr auch, wenn der oberste Hirte offenbar wird, den unverwelklichen Ehrenkranz empfangen.“ (1. Petrus 5,4)
Für Gott zählt jeder Einzelne. Keiner steht über dem anderen.
Die Starken sollen den Schwachen helfen, die Reichen den Armen geben, und die Diener Gottes sollen mit Hingabe dem Reich Gottes dienen.
Wir alle sollen uns an Jesus Christus halten, unseren guten Hirten. Nach Seinem Vorbild sollen wir leben und unseren Mitmenschen mit Güte und Barmherzigkeit begegnen.
AMEN

