Blick über pastellfarbene Wolken mit hellem Licht; in der Mitte steht „Christi Himmelfahrt“ in gelber Schrift.

Impuls zum Fest
Christi Himmelfahrt
Teil 3

„Ende gut, alles gut“? Gott lässt uns erahnen, dass seine Geschichte größer ist,
als wir es am Ende vermuten.

Christus spricht:
Wenn ich erhöht werde von der Erde,
will ich alle zu mir ziehen.
(Johannes 12, 32)

Ein Bild über die Weite des Himmels mit dem Bibelvers zum Fest Christi Himmelfahrt und Exaudi

Der Schöpfung letzter Akt?

In 1. Mose, 2 heißt es:

Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte,
und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.
(1. Mose 2,2)

Am siebten Tag sah Gott, dass Sein Schöpfungswerk vollbracht und Seine Arbeit getan war. Er sah auf Seine (erste) Schöpfung hinab und sah, dass alles gut war. Er konnte sich zurücklehnen und ausruhen. Der erste Akt war vollbracht.

Am „siebten Tag“ Seiner neuen Schöpfung sah Gott ebenfalls auf alles herab. Er sah, wie alles eingetroffen ist, genauso wie Er es einst vorbereitet und verheißen hat. Jesus hat Sein Werk auf Erden vollbracht, der Weg für uns war bereitet, der neue Bund geschaffen und Gott sah, dass es gut war. Der zweite Schöpfungsakt war vollbracht.

Und auch hier heißt es wieder: Das Leben endete nicht, nach diesem „siebten Tag“, es beginnt jetzt erst richtig.

Jetzt ist Jesus am Zug.

Den letzten Akt in Seinem Werk, in Seinem Erlösungswerk – und vielleicht auch eine dritte Schöpfungsgeschichte – läuten wir ein, wenn unser Herr wiederkommt.

Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
(Lukas 21,27)

Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde waren vergangen, und das Meer gibt es nicht mehr. Und ich, Johannes, sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabsteigen, zubereitet wie eine für ihren Mann geschmückte Braut. Und ich hörte eine laute Stimme aus dem Himmel sagen: Siehe, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen; und sie werden seine Völker sein, und Gott selbst wird bei ihnen sein, ihr Gott. Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, weder Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er sprach zu mir: Schreibe; denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!
(Offenbarung 21,1-5)

WOW, welche Ruhe und Erfüllung muss sich bei Gott eingestellt haben.
Gott im Himmel war für Seinen Teil mit Sicherheit überaus zufrieden und glücklich.

Doch wenden wir unseren Blick noch einmal zurück auf unsere Erde. Was war eigentlich mit den Jüngern damals?

Für die damaligen Christen müssen diese Tage unglaublich schwer gewesen sein.

Ein ständiges Kommen und Gehen ihres Herrn. Konnten sie das alles überhaupt einordnen? Ich kann mir vorstellen, dass das ein ziemliches Tohuwabohu für sie gewesen sein muss.

Erst leben sie jahrelang mit ihrem Meister zusammen und erleben unglaubliche Dinge. Sie lernen eine neue Art des Lebens kennen, spüren eine neue Erfüllung ihres Seins, erfahren die Liebe Gottes ganz neu und erkennen ihre Mitmenschen plötzlich mit den Augen des Herzens.

Und dann müssen sie eine grausame und ungewisse Zeit der Folter und Qualen Jesu durchmachen. Sie leben in ständiger Angst und Verfolgung, müssen sich verstecken, sich zurückziehen und ihre Münder halten, um nicht gefangen genommen und gefoltert zu werden. Viele flüchten und zerstreuen sich in aller Herren Länder.

Und dann der Tod ihres Lehrers. Dieser qualvolle und menschenverachtende Tod. Angst und Schrecken, Verzweiflung und Ratlosigkeit. Jesus, ihr Meister, ist von ihnen gegangen.
Und nun?
Sie schwanken zwischen Glauben und Unglauben, zwischen Zweifeln und Standhaftigkeit. „Er sagte, dass er am dritten Tage wieder auferstehen wird – aber wie soll das gehen?“

»Der Sohn des Menschen muss in die Hände sündiger Menschen ausgeliefert
und gekreuzigt werden und am dritten Tag auferstehen«.
(Lukas 24,7)

Und dann ist Er auch schon wieder da – Er ist tatsächlich auferstanden.

Ein Wunder jagt das nächste, seit sie mit Jesus unterwegs sind. Was für ein Leben, ein Auf und Ab der Gefühle.

Er ist wieder da. Er ist wieder bei ihnen. In diesem Moment werden sie wohl, neben all der Skepsis, auch unendlich froh gewesen sein. Er war wieder in ihrer Mitte. Sie konnte mit Ihm reden, Ihn greifen und erleben und weiter von Ihm lernen.

Und dann … schon wieder weg. Er wird sie erneut verlassen.

Heute, am Tag Christi Himmelfahrt, wird Er gehen und sie alleine lassen.
Was ging wohl in ihnen vor. Haben sie das alles überhaupt begreifen können? Oder hatten sie eher das Gefühl von Ihm im Stich gelassen zu werden?

Selbst wir, die wir die Erlebnisse von damals genau kennen und jederzeit nachlesen können, hängen immer wieder Fragen und Zweifeln nach. Können wir es wirklich im Herzen begreifen, was geschehen ist?

Wie geht es jetzt weiter?

Alles, was den Jüngern damals blieb, war die Verheißung, dass Jesus ihnen einen anderen Helfer schicken würde.

Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben,
dass er bei euch bleibt in Ewigkeit,
(Johannes 14,16)

Wirklich? Aber wer war er, der andere Helfer? Wer wird jetzt kommen?
Jesus sprach von einem Geist, dem Heiligen Geist, dem Geist Gottes. Konnten Sie Ihm trauen?
Und wann wird er kommen? Wie wird er sein?
Angst, Zweifel und Sehnsucht muss ihre Gedanken erfüllt haben.

Aber Jesus sagt zu ihnen – und auch zu uns -, dass wir nicht ängstlich und traurig sein müssen. Wir sollen nicht wie versteinert dastehen und einfach nur in den Himmel starren. Wir brauchen Ihn nicht im Himmel zu suchen, als ob er weit weg wäre. Wir müssen nicht sehnsüchtig nach Ihm Ausschau halten, als ob es ohne Seine Leibhaftigkeit auf Erden kein Leben mehr gäbe.

Jesus hat uns in den Jahren seines Wirkens immer wieder zugesprochen: Schaut nach vorne. Bleibt im Hier und Jetzt. Haltet den Blick auf mich gerichtet – egal was passiert.

Denken wir an die Begebenheit, als Petrus übers Wasser gehen sollte. Die ersten Schritte funktionieren, aber als ihn die weltliche Angst übermannte, drohte er zu versinken. Doch dann kommt Jesus:

Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm:
Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?
(Matthäus 14,31)

Fest im Glauben stehen. Den Blick niemals von Jesus abwenden.
Egal was um uns herum geschieht – wir müssen unseren Fokus auf Jesus richten.

Deshalb lässt Gott uns heute kundtun: „Schaut nicht traurig und starr nach oben, sondern mit offenen Augen und voller Tatendrang in die Welt“

Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.
Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus,
der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.
(Apostelgeschichte 1,10-11)

Der Theologe Gerhard Ebeling hat es wunderbar auf den Punkt gebracht: „Nicht wo der Himmel ist, ist Gott, sondern wo Gott ist, ist der Himmel.“

Die Jünger vertrauten Seinem Wort.
Sie hatten so viel mit Ihm erlebt, so viel erfahren und gelernt.
Ja, sie konnten auf seine Zusage für ihr neues Leben vertrauen und voller Freude und Zuversicht auf das warten, was erst noch kommen wird.

Und auch wir dürfen uns ganz und gar in dieses Vertrauen hineinbegeben. Die Worte der Engel, die Worte Gottes, die Worte von Jesus sind auch an uns gerichtet. Wir dürfen in dieser Verheißung leben. Wir dürfen in diesem Glauben leben. Wir dürfen in diesem tiefen Vertrauen leben, dass Gott wirkt und vollendet, was Er einst begonnen.

Auch wir sind mit Jesus durch Israel gezogen und haben Seine Worte gehört. Wir haben mit Ihm am Lagerfeuer gesessen und Seinen Gleichnissen gelauscht. Wir sind durch die Städte und Dörfer gezogen und haben Seine Wunder erlebt.

Und wir sind mit Ihm in Jerusalem eingezogen. Wir haben die Hosianna-Rufe und die „Kreuzigt Ihn“-Schreie gehört. Wir waren dabei, als Er geschlagen und gefoltert wurde und wir sind mit Ihm den Weg nach Golgatha gegangen und haben Sein Kreuz getragen.

Wir haben Sein Leid und Seinen Schmerz, aber auch Seine Kraft und Seinen Mut gespürt. Wir waren auf Golgatha dabei, als Er gekreuzigt wurde und für uns in den Tod gegangen ist. Wir standen am Kreuz, spürten den Schmerz der Nägel und hörten das verächtliche Gelächter.

Wir haben den langen und quälenden Sabbattag, den Tag der Grabesruhe, durchlebt – die Ungewissheit, die Verzweiflung und all die Fragen des Warums. Wir sind mit Maria und Petrus zum Grab gegangen, um Ihm die letzte Ehre zu erweisen, und auch wir haben zuerst das Wunder der Auferstehung nicht wirklich begreifen können.

Und auch heute fällt es uns oft schwer, das Wunder unserer eigenen Wiedergeburt in Christus wirklich zu begreifen und anzunehmen.

Ja, Er lebt und ja, wir leben mit Ihm.

Und was das für unser Leben in Christus bedeutet, schauen wir uns im letzten Teil unseres Impulses an.

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