Impuls zum
6. Sonntag nach Trinitatis
2. Teil
Auf unser Ja antwortet Gott mit Seinem Ruf: Du bist mein –
ein Wort, das unsere Identität stärkt und unseren Glauben neu ausrichtet.
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob,
und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei
deinem Namen gerufen. Du bist mein.
(Jesaja 43,1)

Du bist mein!
Jakob – der Anfang, das Ringen
Jakob steht in diesem Bibelvers sinnbildlich für den Anfang des Volkes – das alte, ringende, unvollkommene Israel. Auch wir erkennen uns darin wieder.
„der dich geschaffen hat“ erinnert: Gott ist der Urheber dieses Volkes (und unseres Lebens), auch wenn der Weg von Zweifeln, Fragen, Sorgen und Ängsten geprägt ist.
Jabbok – der Wendepunkt
Am Fluss Jabbok kommt es zur Wendung. Jakobs innerer Kampf entlädt sich im Ringen mit Gott selbst (in Engelsgestalt).
Der Kampf zeigt: Gott gibt „Jakob“ nicht auf, sondern ringt mit und um ihn. Und am Ende „gewinnt“ Gott.
„und dich gemacht hat“ steht für Gottes Umgestaltung: Er formt aus dem gebrochenen Jakob das Israel, das zu ihm gehört – so wie er auch unser Herz verändert.
Israel – die Veränderung
Gott spricht in diesem Vers zu allen Jakobs und allen Israels – zu den Zweifelnden und den Vertrauenden: „Du bist mein!“
Du bist mein.
Das ist kein hartes Besitzwort nach dem Motto: Ich habe dich besiegt, du gehörst jetzt mir und ich kann tun und lassen mit dir, was ich will.
Es ist vielmehr ein warmes und einladendes Wort: Ich liebe dich, und ich gebe dich niemals auf. Ich kämpfe mit dir und für dich. Meine Tür steht dir immer offen. Wie beim heimkehrenden Sohn im Gleichnis im ersten Teil.
Der Ruf des Namens
Gott hat uns erlöst, uns ein neues Leben geschenkt und ruft uns bei unserem Namen.
Es ist wie bei uns Menschen, wenn Eltern ihr Neugeborenes liebevoll in die Arme nehmen und seinen Namen aussprechen – unser „Hallo und herzlich willkommen“ in der Familie.
Diese erste enge Verbindung schnürt ein unsichtbares Band zwischen Kind und Eltern. Dieses Halten, dieses Rufen, dieses Zeichen von Sehnsucht, Freude und Willkommen verankert sich tief im Herzen des Kindes.
Einem Kind seinen Namen zu geben ist etwas sehr Besonderes und Wichtiges. Es ist eine Handlung, die unser ganzes Leben prägt. Ein Name ist Wertschätzung, Annahme und Liebe. Er macht sichtbar, dass wir da sind.
Namen haben „Gewicht“
Von Immanuel („Gott mit uns“) bis Jesus („Gott rettet“):
Für Gott sind Namen etwas Besonderes. Sie tragen Bedeutung und Identität. Gott schenkt uns nicht nur ein irdisches Leben, sondern auch ein himmlisches – und oft auch einen neuen Namen.
Ein Name in der Bibel – und auch in unserem Leben – ist nicht nur ein Rufwort, sondern Ausdruck seiner Bedeutsamkeit.
Abram wurde zu Abraham („erhabenen Vater“ // „Vater vieler Völker“)
Sarai zu Sarah („Meine Fürstin“ (persönlich, privat) // „Fürstin“ (allgemein und grenzenlos)
Simon zu Petrus („Gott hat gehört“ oder „der von Gott Erhörte“ // „Fels“)
Saulus zu Paulus („der Erbetene“ oder „der Ersehnte“ // „der Kleine“, „der Geringe“)
Jakob zu Israel („der an der Ferse festhält“ // „der mit Gott streitet“)
Auch Gott selbst trägt viele Namen –Ausdruck seines Wesens und seiner Nähe.
Ein Gott, der Leben schenkt
Gott schenkt uns Leben. Doch er schafft nicht nur unsere körperliche Hülle, sondern auch unser Denken und Handeln. Und er gibt uns Freiraum, damit wir uns entwickeln und wachsen können.
Doch hier trennen sich oft die weltlichen und die himmlischen Wege.
Es ist wie in unserer irdischen Familie: Wir sind Kinder und brauchen Raum, um Erfahrungen zu sammeln. Wir fallen, stolpern und probieren uns aus. Die Welt lockt uns dabei mit all ihren Reizen. Versuchungen lauern an jeder Ecke. Wir gehen ihnen nach und merken irgendwann, dass wir doch nur getäuscht wurden.
Solange wir in dieser Welt leben, bleibt es nicht aus, dass wir Fehler machen und falsche Wege gehen. Doch das ist das irdische Leben – nicht das Leben, das Gott für uns geschaffen hat.
Der freie Wille trägt gute Früchte, aber leider auch unreife und sogar faulige Früchte.
Vom „Saulus“ zum „Paulus“
Doch eines Tages – früher oder später – ruft Gott uns zurück in Seine Familie.
So spricht der Herr, der dich geschaffen hat, Jakob,
und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht,
denn ich habe dich erlöst. Ich habe dich bei
deinem Namen gerufen. Du bist mein.
(Jesaja 43,1)
Wie Eltern ihrem Kind den Namen zurufen, ruft Gott uns in seine himmlische Familie. Er beschneidet unser Herz und macht uns frei für sein Leben.
Wenn wir Gottes Stimme hören, wenn wir unseren Namen aus seinem Munde empfangen, vollzieht sich die innere Taufe – noch vor dem äußeren Akt.
Das leise Flüstern im Herzen, das allein Gott gilt: JA, ich will!
Für manche ist es der normale Weg des Lebens, für andere ein fundamentaler Neubeginn.
Die Taufe ist das öffentliche Bekenntnis dessen, was im Herzen bereits geschehen ist. Quasi die „Willkommensfeier“.
Doch ohne innere Umkehr bleibt sie ein äußerer Akt – eine Feier ohne Gäste.
Gott ruft
Durch den Tod Jesu hat Gott uns erlöst und zu neuem Leben erweckt. Er ruft uns. Wir müssen nur hören und folgen.
Durch die innere und auch äußere Taufe, durch die Wiedergeburt in Jesus Christus, gehören wir zu Gott. „Wir sind sein.“
AMEN

