Impuls zur
4. Adventswoche

Die vierte Adventswoche spannt einen Bogen zwischen dem,
was wir hoffen, dem, woran wir glauben, und dem Gott, der beides erfüllt.

Freut euch in dem Herrn allewege,
und abermals sage ich: Freuet euch! Der Herr ist nahe!

(Philipper 4, 4-5)

Freude & Vorfreude

Gehen wir in diesen letzten Adventstagen noch ein Stück weiter in dieser Vorfreude hinein. 

Begeben wir uns doch einmal zurück in die damalige Zeit. Versetzen wir uns nach Betlehem, in die Nacht der Geburt von Jesus Christus. Gehen wir aufs Feld hinaus zu den Hirten.  

Die Hirten. Sie sitzen in einer dunklen Nacht mitten auf einem Feld in der Nähe von Betlehem bei ihren Schafherden. Gefahren lauern an jeder Ecke. Angst in der Dunkelheit vor wilden Tieren, Angst vor dem Verlust ihrer Existenz, Sorge um den nächsten Tag, Schmerzen von dem harten Leben. Und dann … dann erhellt plötzlich eine Engelschar diese Situation. Das Feld, ihr ganzes Umfeld, wird von einem hellen Licht erfüllt. Die dunkle Nacht leuchtet strahlend auf und das Licht der Engel, die Herrlichkeit Gottes durchdringt all ihr Sein und verkündet diesen armen, ängstlichen und vielleicht hoffnungslosen Hirten, eine große Freude. Ihr Retter, ihr Erlöser, der verheißene Messias hat das Licht der Welt erblickt. Das Licht, die Hoffnung, ist in die Welt gekommen. 

So, wie Gott es durch Jesaja verheißen hat: 

Der Friedefürst wird verheißen
Das Volk, das im Finstern wandelte, sah ein großes Licht,
und über denen, die da wohnten im finstern Lande, schien es hell.
Du wecktest lauten Jubel, du machtest groß die Freude.
Vor dir freute man sich, wie man sich freut in der Ernte,
wie man fröhlich ist, wenn man Beute austeilt.«
(Jesaja 9,1-2)

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,
und die Herrschaft ist auf seiner Schulter;
(Jesaja 9,5a) 

Und deshalb ruft der Engel des Herrn den Hirten zu: 

Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude
(Lukas 2, 10a) 

Und dann…

Stellen wir uns mal vor, die Hirten hätten sich nicht den Engeln zugewandt. Stellen wir uns vor, sie wären nicht dem Licht gefolgt. Stellen wir uns vor, sie wären weiter in ihren Ängsten und Sorgen, in der Dunkelheit gefangen geblieben. Aus Angst, vor dem was kommen könnte. Wie wäre die Geschichte wohl weitergegangen? Die Hirten hätten einfach abwinken, sich umdrehen und sich wieder dem Hüten ihrer Herde widmen können. Wieso sollten sie auf diese Engel hören? Waren die Erscheinungen überhaupt echt? Die ganze Situation muss bizarr angemutet haben. Was wird ihnen wohl in diesem Moment durch den Kopf gegangen sein? Was würde uns alles durch den Kopf gehen?

Doch die Engel lassen nicht ab. Sie rufen ihnen quasi zu „Freut euch. Freut euch! Habt keine Angst. Kommt und folgt dem Licht und ihr werdet Rettung erfahren.“ 

denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
(Lukas 2,11) 

Und da ist sie, die Erfüllung der lang ersehnten Verheißung, die Hoffnung, der Glaube, da ist Gott.

Und die Hirten spürten, trotz all der Furcht, die sie einzunehmen versuchte, die Kraft Gottes, die durch diese Engelschar zu ihnen sprach. Sie erkannten die Herrlichkeit Gottes, die diesen Moment erfüllte und sie vertrauten. Sie spürten diese unbändige Vorfreude, die von den Engel Gottes ausging und sie ließen alles stehen und liegen und folgten dem Licht bis hin zur Krippe. Ihre Hoffnung und die Vorfreude haben sie angetrieben, haben sie durch diese dunkle Nacht hindurch, bis zur Krippe ziehen lassen, dem aufgehenden Licht entgegen, welches noch viele andere auf ihrem Wege begleiten sollte. Im Schutze Gottes.

Oder die Weisen aus dem Morgenland.

Hören wir einmal, was Matthäus uns sie berichtet: 

Da Jesus geboren war zu Bethlehem in Judäa zur Zeit des Königs Herodes,
siehe, da kamen Weise aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen
und sind gekommen, ihn
anzubeten.
(Matthäus 2,1-2)

Da sie den Stern sahen, wurden sie hocherfreut und gingen in das Haus
und sahen das Kindlein mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und beteten es an
und taten ihre Schätze auf und schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
(Matthäus 2,10-11) 

Welchen Anreiz, welchen Grund hätten sie gehabt, sich auf eine so lange, beschwerliche und vor allem gefährliche Reise zu begeben, wenn sie nicht der Hoffnung und Vorfreude, welches ihnen dieses Licht, der Morgenstern, brachte, vertraut hätten und sich von Gott erfüllen ließen?

Oder noch viel krasser, Maria. Richten wir unseren Blick doch einfach mal ein Stück weiter zurück. 

Und der Engel kam zu ihr herein und sprach:
Sei gegrüßt, du Begnadigte!
Der Herr ist mit dir, du Gesegnete unter den Frauen!
Als sie ihn aber sah, erschrak sie über sein Wort und dachte darüber nach,
was das für ein Gruß sei.
Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria!
Du hast Gnade bei Gott gefunden.
(Lukas 1,28-30)

Maria aber sprach:
Siehe, ich bin des Herrn Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast.
(Lukas 1,38) 

Was wäre gewesen, wenn Maria im Schein des Engels, ihrer Furcht Raum gelassen hätte und nicht Gott gehorsam gewesen wäre? Was wäre, wenn sie aus Angst vor dem, was hätte kommen können, lieber in ihrem alten Leben verharrt geblieben wäre? Auch sie wurde in ihrer Entscheidung, den Weg Gottes zu gehen, den Willen Gottes zu erfüllen, von dieser ganz besonderen Hoffnung und Vorfreude getragen.

Maria ließ Ängste und Sorgen hinter sich und vertraute. Sie vertraute auf Gott und auf Sein Wort, auf Seine Zusage für ihr Leben. Sie empfing das Licht Gottes und ist den Weg durch die Dunkelheit angetreten. Ein beschwerlicher und harter Weg, der sowohl am Ende als auch am Anfang mit so viel Schmerz und Leid, aber auch mit so unendlich viel Freude und Glückseligkeit verbunden war.

Und Maria sprach voller Vertrauen: 

Siehe, ich bin die Magd des Herrn;
mir geschehe, wie du gesagt hast.
(Lukas 1,38) 

Glauben wir?
Vertrauen wir?
Folgen wir dem Licht, das uns Hoffnung und Freude schenkt?

Auch wir werden immer wieder durch dunkle Zeiten gehen müssen. Ein Leben in Christus kann mitunter hart und beschwerlich sein. Aber auch wir haben das Licht Jesu empfangen, wir leben in diesem Licht Gottes, in dem Licht der Hoffnung und Freude. Nicht nur in dieser besonderen Adventszeit, sondern an jedem einzelnen Tag des Jahres. Und ganz besonders, in diesen letzten Tagen und Stunden vor Weihnachten.

Lassen wir uns anstecken von diesem hellen Schein des Lichtes. Lassen wir uns tragen von der Hoffnung und Freude, die Gott uns schenkt. Folgen auch wir diesem hoffungsvollen Licht, so wie einst Maria und Joseph, die Hirten, die Weisen und all die Männer, Frauen und Kinder vor uns. Gehen wir, erfüllt mit dieser unbändigen Vorfreude, auf Jesus Christus zu. 

AMEN

Nach oben scrollen