Impuls zum
3. Sonntag nach Trinitatis
2. Teil
Bei Gott geht es nicht um die vergebliche Suche, sondern um die Vergebung nach der Suche – nicht um die
Einsamkeit in der Traurigkeit, sondern um die Freude des Findens.
Der Menschensohn ist gekommen,
zu suchen und selig zu machen,
was verloren ist.
(Lukas 19, 10)

Gefunden – und heimgeholt
Gott sucht
Im Gleichnis vom verlorenen Schaf unterstreicht Jesus dieses tiefe Bedürfnis Gottes, all die verlorenen Seelen zu suchen, zu heilen und ihnen Heimat zu schenken.
Vom verlorenen Schaf
Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert,
nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?
Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude. Und wenn er heimkommt,
ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
(Lukas 14,3-6)
Von Irrungen und Wirrungen
Unglaublich, oder? Der Hirte lässt seine ganze Herde allein, nur um ein einziges verlorenes Schäfchen wiederzufinden. Eine einzelne Seele, ein einzelner Mensch, der ihm so unendlich viel bedeutet, dass er die anderen, die bereits sicher geborgen sind, für einen Moment zurücklässt, um auch diesem kleinen Schäfchen wieder Heimat und Hoffnung zu schenken.
Und als Er es gefunden hat, nimmt er es liebevoll auf seine Arme und trägt es sicher zu seiner Herde zurück.
Vom Suchen und Finden
Gott sucht uns. Er sucht die, die verloren gegangen sind. Und wenn Er uns gefunden hat, nimmt Er uns liebevoll in die Arme, birgt uns unter Seinen Flügeln und bringt uns zurück in Seine Herde.
Und dieses Gleichnis zeigt uns noch mehr als nur Gottes Sehnsucht nach uns. Es zeigt auch die unendliche Freude über eine einzige verlorene Seele, die gefunden und gerettet werden konnte.
und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn
zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir;
denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war! Ich sage euch:
So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut,
mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.
(Lukas 15,6-7)
Gesucht mit Fleiß – gefunden mit Freude
Auch das darauffolgende Gleichnis ist unglaublich wertvoll:
Das Gleichnis von der verlorenen Drachme
Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie sie findet? Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und die Nachbarinnen zusammen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte! Ich sage euch, so ist auch Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
(Lukas 15,8-10)
So wenige Sätze, so wenige Worte – und doch drücken sie eine so starke Sehnsucht, unermüdliche Suche und tiefe Freude aus.
Und als ob diese zwei Gleichnisse nicht genug wären, betont Gott Seine Suche und Sein Empfangen reuiger Sünder ein drittes Mal – eindrücklich und bewegend.
Lies hierzu gerne Lukas 15,11-32.
Der Sohn, der genug hatte von Vater, Haus und Hof, lernt schnell, dass die Welt außerhalb seines Zuhauses weder Halt noch Sicherheit noch Gutes für ihn bereithält. Er dachte er kenne die Welt und wisse besser, wie er in ihr vorankommt. Neugier, Selbstüberschätzung und der Reiz des Unbekannten trieben ihn hinaus. Doch dort er erkennt er bitter, welch großer Schatz zu Hause verborgen war – und kehrt reumütig zurück.
Ein wenig ängstlich und zögernd. Wie wird er reagieren? Wird er mich wieder vom Hof jagen?
Nein. Nicht unser Vater. Er begegnet ihm nicht mit Vorwürfen, sondern mit Freude, Liebe und Annahme. Er ist überglücklich, seinen Sohn wiederzuhaben, und will das Ereignis mit einem großen Fest feiern.
Der andere Sohn
Und der andere Sohn?
Er ist noch immer voller Groll, weil er zurückgelassen wurde und nun die ganze Arbeit tragen musste. Er ist beim Vater geblieben, war im treu und gehorsam. Was ist mit ihm? Wer feiert ihn?
Gott kennt unsere Gefühle. Er weiß um die Angriffe des Bösen – auch in Seinem Reich. Und doch fordert er ihn auf, das Vergangene abzulegen und sich zu freuen – wie Er.
Zorn, Wut und Neid haben keinen Platz im Reich Gottes. Sein Bruder ist zurückgekehrt. Er hat sein Unrecht erkannt und ist umgekehrt. Das Alte können wir nicht mehr verändern, doch wir können das Neue gestalten.
Eine kurze Geschichte, die dennoch alles beinhaltet, was unseren Glauben ausmacht.
Einsicht, Buße und Umkehr. Gnade, Annahme und Vergebung.
Unsere Liebe zu Gott, unserem Vater.
Gottes unendliche und bedingungslose Liebe zu uns.
Und die Liebe zu unserem Nächsten.
Drei Gleichnisse, drei Geschichten, die unterschiedlicher nicht sein könnten – und doch ein Gott, eine Sehnsucht, eine Suche und eine unbändige Freude.
Eine dreifache Zusage Gottes.
Egal wie unser Leben gelaufen ist, egal was wir getan oder unterlassen haben, egal wie wir uns verhalten haben – Gott nimmt uns an. Er vergibt uns und lässt uns wieder nach Hause kommen, wenn wir Seine Einladung der Vergebung annehmen und den Weg zu Ihm einschlagen.
Also: Warum wehren wir uns immer noch gegen Seine Liebe und Annahme?
Wir sind würdig Kinder Gottes zu sein – ein jeder von uns.
Gott liebt uns, trotz unserer Sünden:
Gott aber beweist seine Liebe zu uns dadurch,
dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.
(Römer 5,8)
Er liebt uns bedingungslos und ausnahmslos, und Er möchte nicht, das auch nur einer von uns verloren geht. Deswegen hat Er uns einen Weg bereitet.
Wenn wir uns öffnen, unsere Sünden erkennen und bekennen und die rettende Botschaft – Jesus Christus – annehmen, nimmt Er uns mit offenen Armen wieder in Seiner himmlischen Familie auf.
Hören wir auf die Rufe Gottes, hören wir auf Sein Wort, vertrauen wir Seinen Zusagen und kehren wir um. Kehren wir heim – heim zu Gott.
Es ist nie zu spät!
Gott ist uns nicht böse.
Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!
(Micha 7,18)
Gnade! Gottes Gnade!
Verlassen wir die krummen Wege und tiefen Täler und begeben wir uns auf den geraden Pfad – einen Weg, der nicht leicht ist, an dessen Ende aber die wahre Erfüllung und Glückseligkeit wartet.
Lassen wir Seine Einladung in unseren Herzen Fuß fassen, nehmen wir sie an und folgen wir ihr nach.
Lassen wir uns von Gott in die Arme schließen und willkommen heißen.
Treten wir durch die Tore Seines Reiches und nehmen wir an Seinem Tisch Platz.
Er ist unser Schöpfer, unser Vater, unsere Familie. Er ist der Atem, der durch unsere Lungen fließt, Er ist das Blut, dass durch unsere Adern strömt, Er ist der Puls, der unser Herz zum Schlagen bringt.
Er ist unser Leben.
Worauf warten wir noch?
Verstecken wir uns nicht länger. Lassen wir uns finden und in Seine Arme schließen.
Und lasst auch uns nach Gottes Weise handeln.
Gehen wir zusammen mit Jesus auf die Suche nach all den verlorenen Seelen. Schließen wir die „Heimkehrer“ in unsere Arme – als unsere Brüder und Schwestern – und begegnen wir ihnen mit der gleichen Liebe, wie Gott uns begegnet. Egal ob Freund oder Feind – wir sind alle Gottes geliebte Kinder.
Gott hat nicht nur dir und mir Seine Gnade erwiesen – Er hat sie allen erwiesen. Tun wir es Ihm gleich.
Jesus sagte einst: Es ist nichts Besonderes, die zu lieben, die einem nahe stehen. Das Besondere ist, die zu lieben und willkommen zu heißen, die wir nicht kennen oder gar nicht mögen.
Jesus ist gekommen, zu suchen und selig zu machen,
all diejenigen, die verloren sind.
AMEN

