Impuls zum
14. Sonntag nach Trinitatis
Teil 3
Auf dem Weg der Zehn wird sichtbar, dass Gott jeden befreit – doch wahrer Glaube nur dort wächst,
wo Vertrauen zu Dankbarkeit und Umkehr führt.
Nur Einer von Zehn.
Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht,
was er dir Gutes getan hat.
(Psalm 103, 2)

Einer von Zehn
Vertrauen
Jesus spricht:
Und da er sie sah, sprach er zu ihnen:
Geht hin und zeigt euch den Priestern!
(Lukas 17,14a)
Das wars? Mehr sagt Jesus nicht? Jesus legt keine Hand an?
Er legt keine Hand auf, berührt keine Wunden, spricht kein besonderes Heilungswort.
Vielleicht hält Er sich an das Reinheitsgebot – doch die Erzählung will uns noch etwas anderes lehren: Jesus greift nicht immer sichtbar in unser Leben ein – und wirkt doch. Wir müssen Seine Hand nicht spüren, damit sie wirkt.
„Geht hin und zeigt euch den Priestern.“
Ob das die Geste war, die diese Aussätzigen erwartet hatten?
Kein Donnergrollen, kein Feuerwerk – nur ein schlichter Auftrag: „Geht hin und zeigt euch den Priestern“.
Der Priester sollte prüfen, ob der Aussatz verschwunden war. In unsere Zeit übersetzt: „Geh zum Arzt und lass dich gesundschreiben.“
Was erwarten wir von Jesus, wenn wir in Not rufen? Erwarten wir sichtbare Zeichen, spürbare Eingriffe, ein Wunder, das man sehen kann?
Doch wie Gott im leisen Säuseln erscheint, wirkt Jesus oft im Kleinen und Verborgenen. Darum erkennen viele Menschen Gottes Wunder nicht – oder nicht sofort. Doch der wahre Glaube erkennt das Unsichtbare im Sichtbaren.
Die Aussätzigen vertrauen Ihm. Sie kennen Ihn nicht, aber sie haben nichts zu verlieren.
Es braucht Mut, Hoffnung und Glaube, um im Vertrauen auf Gottes Macht einen ungewöhnlichen Schritt zu wagen.
Sieh nicht zurück. Schau nicht auf deine Umstände, nicht auf das, was war – geh voran.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt
und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
(Lukas 9,62)
Lass deine Augen stracks vor sich sehen
und deinen Blick geradeaus gerichtet sein.
(Sprüche 4,25)
uns, die wir nicht sehen auf das Sichtbare,
sondern auf das Unsichtbare. Denn was sichtbar ist,
das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.
(2. Korinther 4,18)
Heilung
Ausweglos erscheinende Situationen lähmen uns. Isolation lässt uns in ein dunkles Loch fallen. Mutlosigkeit und Hoffnungslosigkeit breiten sich aus. Doch wenn Jesus kommt, räumt Er damit auf. Dann heißt es mutig sein, Hoffnung im Herzen zu tragen und vorwärtszugehen.
Um Heilung zu erfahren, müssen wir auf Gottes Wege vertrauen – und in Bewegung bleiben. Angst lähmt. Vertrauen bringt uns zum Gehen.
Die Aussätzigen vertrauen Ihm – und gehen.
Und Jesus?
Er heilt sie.
Als Er sie losschickt, sind sie noch nicht geheilt. Als sie sich abwenden und losgehen, sind sie immer noch gezeichnet von Aussatz. Doch sie gehen.
Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.
(Lukas 17,14b)
Die Heilung geschieht auf dem Weg. Nicht vorher, nicht nachher – mittendrin.
Dankbarkeit & Umkehr
Gott ist gütig und barmherzig zu allen Menschen. Alle zehn Aussätzigen bitten Jesus um Erbarmen – und alle zehn werden geheilt.
Doch nicht alle zehn werden gerettet.
Denn nur einer erkennt die Güte Gottes und kehrt um.
Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war,
kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme
(Lukas 17,15)
Nur einer von zehn! Einer von Zehn.
Unser erster Gedanke: „Wie kann man so undankbar sein?“
Sie haben ihr Leben zurückbekommen – und gehen einfach weiter.
Traurig – und doch so wahr.
Auch heute: Einer von Zehn.
Wir alle erleben schwierige Situationen: finanzielle Sorgen, Konflikte, Krankheiten, Verluste. Manchmal dauert es lange, bis eine Wendung kommt. Wir sind erschöpft, matt, hoffnungslos.
Und dann kommt sie: die Wendung. Ein Arzt hilft, ein Freund springt ein, eine Lücke schließt sich, Heilung tritt ein. Wir sind befreit – und leben weiter.
„Alles wie früher. Gott sei Dank.“ Entschuldigung – diesen Halbsatz streichen wir besser.
Denn wer dankt Gott wirklich für die Wendung?
Wir nehmen „das Wunder(bare)“ als Selbstverständlichkeit hin. Wir danken dem Arzt, dem Chef, dem Freund – aber Gott vergessen wir.
Nur einer von zehn erkennt Gottes Eingreifen. Nur einer sieht Seine Liebe, Güte und Gnade. Nur einer kehrt um – zu Jesus, zum Glauben, zum Leben.
Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war,
kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme
(Lukas 17,15)
Demut & Gnade
Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte,
um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde?
Und er sprach zu ihm:
Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.
(Lukas 17,18-19)
Lobe den Herrn, meine Seele
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
(Psalm 103,2)
Dieser eine Mann erkennt das Wunder, das Gott getan hat. Er erkennt die Gnade – und kehrt um.
Sein erster Weg ist nicht der zum Priester. Er weiß, dass nicht der Priester ihn gerettet hat – sondern Gott.
„Ehre, wem Ehre gebührt.“
Nur einer erkennt, wem Ehre gebührt. Nur dieser eine trägt den Siegeskranz davon. Die anderen neun laufen weiter – und laufen vorbei.
Es ist nicht der „weltliche“ Priester, der ihn rettet. Es ist Sein Glaube.
Den Hochmütigen widersteht er,
den Demütigen schenkt er Seine Gnade
(1.Petrus 5,5b)
Quintessenz:
Wir sollten daran denken, dass alles Gute, das uns begegnet, ein Segen Gottes ist.
Gott führt uns – durch Menschen, durch Ereignisse, durch Wege – auf den Pfad der Rettung. Doch ohne Gottes Führung könnten wir diesen Weg nicht gehen.
Es ist eine Sache, Rettung zu erleben – eine andere, sie als Gnade Gottes wahrzunehmen und Ihm Dankbarkeit und Demut zu erweisen.
Heilung und Rettung schenkt Er jedem, der Ihn darum bittet. Wahre Gnade empfangen wir, wenn wir Ihn darin erkennen – und umkehren.
Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.
(Lukas 17,19)
Gott schenkt uns Seine Gegenwart, Seinen Schutz und Seine Fürsorge. Und alles, was Er von uns möchte, ist ein dankbares Herz.
Lobe den Herrn, meine Seele
und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat
(Psalm 103,2)
Danken wir IHM:
- für die Gnade und Erlösung, die Er uns schenkt,
- für die Rettung aus Not und Leid,
- für all das Wunderbare, was Er wirkt und noch wirken wird,
- für ein befreites Leben.
Kehren wir um. Bleiben wir dankbar und demütig. Und empfangen wir den Segen, den Er verheißen hat.

