Da weinte Jesus.
(Johannes 11,35)

„Da weinte Jesus.“
Dieser Satz ist so kurz, dass man ihn leicht überliest. Und doch trägt er Gottes ganzes Wesen in sich.
Jesus weint nicht, weil Lazarus tot ist. Er weiß, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Er weiß, dass Leben möglich ist, selbst dort, wo alles verloren scheint.
Seine Tränen haben einen anderen Grund:
Es ist der Unglaube, der in der Luft liegt.
Es sind die Herzen der Menschen, die genauso fest verschlossen sind wie das Grab vor dem sie stehen.
Sie weinen — aber sie hoffen nicht.
Sie klagen — aber sie glauben nicht.
Sie kennen Gott, doch vertrauen ihm – immer noch – nicht.
Johannes beschreibt es im weiteren Verlauf ungeschönt: Jesus „ergrimmte im Geist und erbebte“.
Doch das sind keine Gefühle aus Wut oder verletztem Stolz heraus.
Es sind Gefühle der Liebe – dieser tiefen und bedingungslosen Liebe, die leidet, weil wir uns wieder einmal selber im Wege stehen. Weil wir uns kleiner machen, als wir sind.
Weil wir Gottes Möglichkeiten begrenzen, weil wir nur unsere Wirklichkeit sehen.
Jesus’ Tränen sind keine Schwäche – sie sind ein Ruf. Ein WECKRUF!
Ein Ruf zurück ins Vertrauen.
Zurück in die Wahrheit.
Zurück in den Glauben.
Gottes Macht ist größer als unser Denken.
Seine Liebe ist tiefer als unser Zweifel.
Er schafft Leben, wo wir nur Tod sehen.
Das Grab ist genauso wenig verschlossen, wie unsere Herzen. Doch wir müssen bereit sein, es zu öffnen.
Gott weint nicht über unsere Probleme.
Er zürnt nicht, weil wir sündigen.
Er weint, weil wir ihm nicht vertrauen. – immer noch nicht –
Für Gott sind alle Dinge möglich, wenn wir ihm vertrauen.
Und wenn er ruft, dann öffnen sich unsere verschlossenen Herzen.
Wir sind nicht tot – wir leben. Durch IHN.
